Möschberg-Gespräch 2014

Biolandbau zwischen Herz und Kommerz. Mit Kooperation die Zukunft gestalten

In der 20. Auflage hat das Bioforum Schweiz kürzlich das Möschberg-Gespräch durchgeführt. Mit dem Thema «Der Biolandbau zwischen Herz und Kommerz» thematisierte die Organisationsgruppe um Bioforum-Präsident Martin Köchli das Spannungsfeld, in dem sich der Biolandbau gegenwärtig befindet.

Bio-Produkte als profitables Geschäft

Die Fixierung auf ökonomisches Wachstum und Konkurrenzdenken hat auch den biologischen Landbau erfasst und seinen Charakter stark verändert. Normen, Richtlinien und Kontrollen wurden etabliert. Die Grossverteiler entdeckten Bio-Produkte als profitables Geschäft, auch zur Image-Pflege. Mittlerweile wurde der expansive Biomarkt zur zentralen Triebfeder des Biolandbaus. Neue Konsum- und Lifestyle-Trends, etwa Convenience Food, werden auch von der Biobranche bedient.

 

Doch am Anfang der Wertschöpfungskette stehen Biobauern und -bäuerinnen, denen der zunehmende Preisdruck, die aufwändigen Kontrollen und das teure Kostenumfeld zu schaffen machen. Heute steckt der Biolandbau in den gleichen Fallen wie die industrielle Landwirtschaft und die Gesellschaft als Ganzes: Der Wachstumsfalle, der Energiefalle, der Konsumfalle und der Schuldenfalle.

 

Vor diesem Hintergrund fragte sich das Bioforum, ob der Weg in eine tatsächlich nachhaltige Zukunft über eine neue Kultur der Kooperationen führen könnte – über Kooperationsformen, welche die gesamte Gesellschaft einbeziehen.

Die Sackgasse der industriellen Lösungen

Im Einstiegsreferat sprach Professor Franz Theo Gottwald von der Schweisfurth-Stiftung zum Thema: «Von der Einfalt industrieller Lösungen zu Vielfalt und neuen Kooperationen als Chance der Biolandwirtschaft». Industrielle Lösungen, wie sie etwa die Gentechnologie, die Functional-Food-Industrie oder die Präzisionslandwirtschaft anbiete, seien technisch zwar hoch komplex, aber in ihrer Logik einfältig. Sie basieren auf der Vorstellung, dass es geschlossene Systeme gibt, in denen ein gezielter Eingriff eine erwünschte Wirkung hat und diese Wirkung auf das System begrenzt bleibt. Im industriellen Denken gebe es für Probleme nur technische Lösungen, keine sozialen oder kulturellen, hielt Gottwand fest. Und weitergehende Nebenwirkungen, die unerwünscht sind oder neue Probleme und Abhängigkeiten schaffen, würden ausgeblendet.

 

Dieses Denken ist aus der Sicht von Gottwald deshalb so erfolgreich, weil seine Anwendungen in Form von Produkten und Technologien lukrativ sind: Sie lassen sich in Milliardengewinne umsetzen. Gottwald warnte vor der «Durchökonomisierung des Lebendigen» durch die Biotechnologie, die Nutzpflanzen gentechnisch gegen Schädlinge resistent machen will

Werte wie Fairness und Solidarität

Im kleinen Stil sei auch die Biobranche daran, dieses industrielle Modell zu imitieren, indem sie die Wachstumslogik mit dem gleichen Satz an Leitbildern und Begrifflichkeiten übernehme. Gottwald hielt dem entgegen: «Es gibt Dinge, die nicht rechenbar sind». Man solle wieder über Werte wie Fairness und Solidarität reden – ohne diese auf eine zertifizierbare Angelegenheit und auf einen Marktpreis zu reduzieren. Dennoch müssten Kooperationen auf dem sicheren Boden der Ökonomie fussen, damit sie tragfähig seien.